
Die Geburtsstunde unserer „alten Lady“ schlug im Jahr 1926 in der renommierten Eisenbahn- und Waggonbau AG Wismar. Als einer von fünf neuen, eleganten zweiachsigen Triebwagen für Schwerin rollte sie vom Band – ausgestattet mit modernster Elektrotechnik der Siemens-Schuckert-Werke. Ihr Herzstück: Ein edler, blechverkleideter Hartholzwagenkasten, gekrönt von einem markanten Lyrabügel auf dem Laternendach, der um 1930 einem modernen Scherenstromabnehmer wich.
Schon damals bot der Wagen Komfort: Die halbachteckigen, komplett geschlossenen Plattformen schützten vor Wind und Wetter. Im Inneren nahmen die Schweriner auf 12 Quersitzen und 8 Längssitzen Platz, während der Blick durch die charakteristischen, unterschiedlich breiten Fenster nach draußen schweifte.
Dass wir diesen Oldtimer heute noch bewundern können, grenzt an ein Wunder: Den verheerenden Bombenangriff auf das Depot am 7. April 1945 überstand der Wagen unbeschadet – er war in diesem schicksalhaften Moment schlicht im Liniendienst unterwegs.
Die Nachkriegsjahre brachten ständige Veränderungen. Mangel und Modernisierungen prägten das Erscheinungsbild:
1946: Zur Wiederinbetriebnahme wurden die großen Fensterscheiben aus Materialnot halbiert – der Wagen fuhr nun mit sechs Fenstern pro Seite und der neuen Nummer 4.
1952: Nach einem schweren Brand im Jahr 1950 folgte der Wiederaufbau in Wismar. Die Fenster erhielten ihre edle Ursprungsform zurück, ergänzt durch schmale Oberlichter. Die Technik wurde auf den modernen DDR-Standard der LOWA-Wagen umgerüstet.
Ab 1972: Mit dem Einzug der neuen REKO-Züge wechselte die „alte Lady“ in den harten Dienst als Arbeitswagen und wechselte mehrfach ihr Kleid – von Orange über das nostalgische Blau-Gelb bis zurück zu Orange.
Zum 100. Jubiläum der Schweriner Pferdebahn im Jahr 1981 schlug die Geburtsstunde als Traditionswagen. Nach verschiedenen historischen Lackierungsversuchen fiel 1985 die Entscheidung: Der Wagen sollte wieder strahlen wie am ersten Tag.
In den Jahren 2002 bis 2003 folgte schließlich die Meisterleistung: Eine tiefgreifende, liebevolle Rekonstruktion versetzte das Fahrzeug weitestgehend in den glanzvollen Anlieferungszustand von 1926 zurück. Seit der technischen Abnahme am 5. August 2003 ist dieser Triebwagen nicht nur ein technisches Denkmal, sondern das rollende Gedächtnis des Schweriner Nahverkehrs.
Doch Geschichte bleibt still ohne Erinnerungen
Der Nahverkehr Schwerin sucht Zeitzeugen, die diese Erinnerungen teilen möchten, deren Erinnerungen sich ein Gefühl von damals bewahrt hat. Ob persönliche Erlebnisse, kleine Anekdoten aus dem Alltag, alte Fotografien oder Zeitungsausschnitte – jede Erinnerung ist ein Stück Stadtgeschichte. Und jedes dieser Stücke trägt dazu bei, die Traditionsbahn als lebendigen Ort der Erinnerung zu erhalten. Alle Beiträge fließen in eine Chronik ein, die das bewegte Jahrhundert der „alten Lady“ dokumentiert.
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Einsendeschluss: 31. Juli 2026
Mechanischer Teil: Eisenbahn- und Waggonbau AG Wismar
Elektrischer Teil: Siemens-Schuckert-Werke GmbH Berlin
Bauart: Zweirichtungsfahrzeug
Achsfolge: Bo (Achsstand: 2.500 mm)
Spurweite: 1.435 mm (Normalspur)
Abmessungen: 10.200 mm (L) x 2.100 mm (B) x 3.340 mm (H)
Fahrzeugmasse (leer): 10,0 t
Sitzplätze: 20
Stehplätze: 22
Fahrdrahtnetzspannung: 600 V = (Gleichstrom)
Steuerspannung: 24 V =
Rückspeisung (Bremsenergie): Nein
Stromabnehmer: Lyrabügel (ab ca. 1930 Scherenbügel)
Motoren im Vergleich:
Bei Lieferung (1926): 2 x 44 kW | Siemens-Schuckert-Werke (Typ: D.d. 65/a)
Heutiger Zustand: 2 x 60 kW | VEB Lokomotivbau Elektrotechnische Werke „Hans Beimler“ Hennigsdorf (Typ: EM 60/600)
Fahrschalter:
Original: DF 60
Heute: StNFB1
Elektrische Betriebsbremse: Generatorisch
Feststellbremse: Kurbelbremse
Magnetschienenbremse: 2 x 60 kN (24V)